- Neun von zehn Autofahrerinnen und Autofahrern kennen die Bußgeldhöhe bei Handyverstößen nicht
- 29 Prozent halten längere Blickabwendung von der Straße für zulässig
- 13 Prozent glauben, dass bei Stau- oder Autobahnassistenten das Handyverbot nicht gelte – 7 Prozent halten Kurzschlaf für möglich
Autofahrer schätzen Verhaltensspielraum bei Fahrzeugen mit komplexen Fahrerassistenzfunktionen falsch ein
13 Prozent der Befragten der Allianz Studie sind der Meinung, dass bei der Nutzung sogenannter Level-2-Assistenzsysteme (die über längere Strecken Gas geben, bremsen sowie Abstand und Spur halten, z. B. Stau- oder Autobahnassistent) ausdrücklich beide Hände dauerhaft vom Lenkrad genommen werden dürfen; ebenso viele glauben, das Handyverbot entfalle. 7 Prozent sagen, die Promilleregel gelte dann nur bedingt, gleich viele halten Kurzschlaf für möglich. Die Teilgruppe der Befragten, die solche Assistenzsysteme selber auch schon benutzt, antwortete vergleichbar. „Botschaften über neue Fahrzeugtechnik erzeugen oft falsche Erwartungen. Das Bild von der Zukunft des Verkehrs in automatisiert fahrenden Fahrzeugen bewirkt leider auch, dass viele die aktuelle Assistenztechnik überschätzen“, so Jörg Kubitzki, Sicherheitsforscher im Allianz Zentrum für Technik (AZT) und Autor der Studie. „Hier bedarf es weiterer Anstrengungen, um durch bessere Einweisung, Schulung und Aufklärung falsche Vorstellungen zu korrigieren.“
Bußgeld Handyverstoß: Nur einer von zehn wusste die richtige Antwort
Zulässige Dauer der Blickabwendung vom Verkehr wird überschätzt
Die Pflichten für Fahrzeugführerinnen und Fahrzeugführer verlangen nach Paragraf 23, 1a Nr. 2b StVO, dass zur Bedienung verbauter oder verankerter elektronischer Geräte bei der Fahrt nur ein „kurzer“ Blick auf die Geräte gerichtet werden darf.
„Weniger als die Hälfte der Befragten kannte diese Formulierung“, so Christoph
Lauterwasser, Leiter des AZT. „Dass diese Maßgabe wenig bekannt ist, wäre noch zu verstehen. Aber 29 Prozent aller Befragten waren der Meinung, der Blick zum Gerät dürfe so lange dauern wie für die Bedienung erforderlich.“ Aus Sicht des Allianz Zentrum für Technik liegt auch in solchen Wissensdefiziten ein Grund für die hohe Zahl gefährlicher und vor allem gefährlich langer Aktivitäten, die Fahrerinnen und Fahrer beim Fahren mit technischen Geräten ausführen, sei es am Handy oder am Bordcomputer.
Rechtswissen ist Sicherheitswissen
„Dass schon wenige Sekunden Ablenkung zu einem langen Blindflug mit dem Auto führen, ist den meisten Menschen inzwischen bewusst, bei 50 km/h werden jede Sekunde 14 Meter zurückgelegt, bei Tempo 130 sind das schon 36 Meter“, so Christoph Lauterwasser. „Die Verkehrssicherheitsarbeit hat hier in den letzten Jahren sehr viel Aufklärung geleistet. Darüber hinaus sehen wir aber große Wissenslücken bei rechtlichen Regelungen, den Konsequenzen bei ihrer Übertretung und beim Verständnis, was Technik leisten kann und was nicht.“ Aus Sicht der Allianz können konkrete Kampagnen gegen Ablenkung am Steuer, die alle Verkehrsteilnehmer stärker auf diese Risiken hinweisen, noch einiges bewirken.
Die vollständige Studie „Ablenkung und moderne Technik“ von Dr. Jörg Kubitzki sowie Bildmaterial und zusätzliche Informationen senden wir Ihnen gern elektronisch zu. Für die aktuelle Sicherheitsstudie führte das Allianz Zentrum für Technik (AZT) gemeinsam mit der Gesellschaft für Innovative Marktforschung mbH (GIM) eine Repräsentativerhebung unter 1202 Pkw-Fahrerinnen und -Fahrern in Deutschland durch.
Siehe auch: https://www.unfall-magazin.de/2023/03/01/allianz-sicherheitsreport-ablenkung-am-steuer-durch-moderne-technik-id2512825
Allianz Versicherungs-AG